Der letzte Weg

Wann ist der richtige Zeitpunkt um Abschied zu nehmen?

 

Diese Frage ist wohl eine der schwersten und jeder kann sie nur ganz für sich allein beantworten. Einerseits möchte man seinen treuen Begleiter bei Krankheit nicht leiden lassen, andererseits ihm aber auch die Chance geben, noch ein paar schöne Lebenstage zu verbringen.

Wenn es dem Tier zunehmend schlechter gehen sollte, obwohl alle erdenklichen Massnahmen bereits ausgeschöpft wurden wäre es ihm gegenüber nicht fair, das Leiden unnötig zu verlängern. Das ist etwas was ich im Vorfeld ganz klar betonen möchte.

 

Es gab den Fall, dass mir von verschiedenen Medizinern nahegelegt wurde, ein Tier erlösen zu lassen, da man nichts mehr tun könne. Ich erkannte jedoch den Lebenswillen meiner Stute und kontaktierte einen weiteren Facharzt. Dieser sah die Lage ganz anders und konnte mit einem Eingriff helfen. Der Weg war zwar langwierig, hat sich aber absolut gelohnt. Denn dieses Pferd lebt nun bereits 6 Jahre über den prognostizierten Todeszeitpunkt hinaus und dies bei durchgängig guter Lebensqualität. 

 

Mit diesem Beispiel wollte ich deutlich machen wie unterschiedlich Sichtweisen auf einzelne Situationen sein können. Wenn man im Ernstfall das Gefühl hat noch einen weiteren Rat einholen zu wollen sollte man dies meiner Ansicht nach tun. Zu viele Köche können jedoch auch den Brei verderben.

Jeder kennt sein Tier am besten 

  

Solange man in der Lage ist eine Situation klar zu betrachten sollte man seiner Wahrnehmung vertrauen. Natürlich ist dies nicht immer leicht, insbesondere wenn der Abschied vom Tier zu nahen scheint. 

 

Vor einigen Jahren wurde mir geraten meinen Wallach einschläfern zu lassen. Die Situation entwickelte sich dann so, dass sich dieses Tier noch eine ganze Zeit lang regeneriert hat und auflebte. Ich war dankbar, dass ich für ihn die Entscheidung getroffen hatte, dass er noch einige Monate das schöne Wetter erleben und seinem Lieblings-Hobby, dem Fressen nachgehen konnte. Dann war es eines Tages soweit und er zeigte ganz klar an, dass nun seine Kräfte zu Ende gehen.

 

Ich kann nur jeden Besitzer ermutigen sein Tier genau zu beobachten. Man wird zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Signale erkennen und dann wissen dass es bereit ist zu gehen. 

Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume, ich leb' in euch und geh' durch eure Träume. (Michelangelo)
Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume, ich leb' in euch und geh' durch eure Träume. (Michelangelo)

Loslassen ist Akzeptanz

 

Ein Satz der mir im Leben generell sehr geholfen hat ist: "Wenn eine Situation unerträglich ist, verlasse sie, ändere sie oder akzeptiere sie voll und ganz." 

Akzeptanz bedeutet, die Umstände so anzunehmen wie sie sind. Wenn alles getan wurde, was getan werden konnte und das erhoffte Resultat dennoch ausgeblieben ist, hilft es sehr, diesen Zustand zu akzeptieren. Das Leben bringt Veränderungen mit sich und immer wieder müssen wir uns im Loslassen üben. Dies kann Situationen, Dinge, Ziele, Menschen und eben auch Tiere betreffen.

Anzeichen dafür, dass ein Abschied bevor steht:

 

Das Leuchten in den Augen ist verschwunden, das Tier wirkt kraftlos oder zeigt ein verändertes Verhalten. Auch Zurückgezogenheit oder komplette Futterverweigerung geben einen Hinweis darauf dass die letzten Stunden näher rücken.

 

Nicht alle eben genannten Punkte müssen auftreten. Mein Wallach hat z. B. noch 1 Stunde vor seinem Tod eine grosse Portion gefressen. Andere Tiere hingegen sind schon einige Zeit vorher bei der Nahrungsaufnahme sehr mäkelig.

Der Sterbeprozess:

 

1. Phase:

In dieser Phase frisst das Tier noch, ruht aber schon mehr. Alle Abläufe werden sichtbar langsamer, man merkt schon, dass es nicht mehr das Tier ist, welches man einst kannte. Es gibt Phasen des Auf und Abs. Hier ist es ratsam sich schon einmal seelisch auf einen Abschied vorzubereiten.

 

2. Phase:

Das Tier verweigert die Nahrungsaufnahme. Aber auch wechselnder Appetit ist möglich. Bei unserer Katze mit chronischer Niereninsuffizienz zog sich diese Phase beispielsweise etwas länger hin, da sie zwischenzeitlich immer wieder Appetit entwickelte und relativ gut frass. Der Körper kann sich je nach Fall auch über einen längeren Zeitraum von Reserven ernähren. Auch kann es in diesem Stadium zu Zurückgezogenheit kommen. 

 

3. Phase:

Hier blühen die Tiere noch einmal auf. Sie steigen wie Phoenix aus der Asche empor. Die Besitzer schöpfen Hoffnung, da das Tier wieder Interesse am Leben zeigt. Man sollte sich jedoch bewusst machen, dass dies ein Aufbäumen ist, welches nicht von Dauer sein kann. In dieser Zeit kann auch die Schmerzempfindlichkeit ansteigen.

 

4. Phase:

Die Atmung wird flacher. Die Tiere atmen länger aus und machen vor dem Einatmen eine Pause.

 

5. Phase:

Die Atmung fällt immer schwerer oder wird immer schwächer bis das Leben den Körper verlassen hat.

 

Generell kann man den Sterbeprozess mit Blütenessenzen unterstützen. Sie können dem Tier u. a. dabei helfen selbst zu entscheiden ob es wieder aufleben oder sterben möchte. Auch gibt es Essenzen die der Seele des Tieres den Übergang in die neue Ebene erleichtern können.

"Das Leben schenkt uns Erinnerungen, damit wir Rosen im Winter haben."
Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren. (Johann Wolfgang von Goethe)

Den letzten Weg begleiten

 

Tiere fühlen sich wohler, wenn eine vertraute Person ihnen in ihrer letzten Stunde beistehen kann. So mancher Vierbeiner zieht sich aber zurück, weil er spürt dass der Besitzer nicht in der Verfassung ist ihn zu begleiten. Hier sollte nicht geurteilt, sondern die jeweiligen Umstände respektiert werden. Am schönsten ist es natürlich für das Tier wenn es in vertrauter Umgebung erlöst werden kann.

Auch kann es vorkommen, dass man sich nicht von seinem Tier verabschieden kann, z.B. durch plötzlichen Tod.

 

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein unvorhergesehener Tod einen ganz anderen Trauerprozess nach sich zieht. Ich fuhr eines Tages zur Arbeit und erhielt wenige Stunden später einen Anruf mit der Information, dass mein Pferd in Kürze eingeschläfert werden müsste. Diese Information klang für mich überhaupt nicht real. Die Stute war am Vortag noch kerngesund gewesen, hatte am Morgen aber Kolik-Symptome gezeigt. Leider kam ich aufgrund von unaufschiebbaren beruflichen Themen erst ca. 1 1/2 Stunden nach dem Telefonat nach Hause. Dort lag mein Pferd, welches 17 Jahre an meiner Seite war bereits tot auf der Koppel.

 

Die innere Vorbereitung kann in einem solchen Fall nicht erfolgen, so dass plötzliche Todesereignisse meiner Meinung nach schwerer zu verarbeiten sind. Man macht sich auch lange Vorwürfe dass man nicht bei dem Tier war als es ihm so schlecht ging und fragt sich, was man hätte anders machen können. Dies geht auch vielen anderen Besitzern so. Die Lösung ist, sich von diesen Schuldgefühlen zu befreien. Dann ist es auch möglich Frieden zu finden.

Wie geht man als Besitzer mit der Trauer um?

 

Auch wenn es meist der erste Impuls ist macht es wenig Sinn die Trauer wegzudrängen. Mich hatte der eben geschilderte Tod meiner Stute sehr mitgenommen, ich musste jedoch zeitgleich eine berufliche Ausnahmesituation meistern. Die verdrängte Trauer zeigte sich daher erst Monate später in körperlichen Symptomen. Möglicherweise hätte man diese Nebenwirkungen abmildern können, wenn man sich früher der Sache gestellt hätte.

 

Trauer ist immer individuell. Zur seelischen Unterstützung können auch beim Menschen Blütenessenzen eingesetzt werden. Aber auch gute Gespräche und ein verständnisvoller Zuhörer können helfen. Die Betonung liegt hier auf "verständnisvoll". Denn nicht jeder vermag zu verstehen wie eng eine Bindung zu einem Tier überhaupt sein kann.

Die 4 Trauerphasen:

 

1. Es wird versucht das Erlebte zu verdrängen oder davor wegzulaufen. Man möchte das Geschehene nicht wahr haben und sucht nach Ablenkung.

 

2. In dieser Phase kommen Zorn- und Schuldgefühle auf. Man fragt sich z.B. was gewesen wäre, wenn einige Entscheidungen anders getroffen worden wären.

 

3. Eines Tages beginnt man damit Orte der Erinnerung aufzusuchen. Z.B. einen Waldweg durch den man gerne gemeinsam gegangen ist. Es wird langsam etwas leichter.

 

4. In dieser Phase ist man bereit neu zu beginnen, vielleicht auch mit einem neuen tierischen Begleiter

Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus... (Joseph von Eichendorff)
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus... (Joseph von Eichendorff)

Warum fällt der Abschied so schwer?

 

Unsere Haustiere sind die meiste Zeit in unserer Umgebung. Wir verbringen sehr viel Lebenszeit mit ihnen und erleben gemeinsam Höhen und Tiefen. Sie hören uns still zu und nicht selten sind sie es von denen wir uns am meisten verstanden fühlen. Es entsteht eine innige Bindung die z.T. über viele Jahre Bestand hat. Wenn diese Begleiter aus unserem Leben gerissen werden entsteht eine grosse Lücke.

Wo kann ich mein Tier begraben?

 

Je nach Tierart sind auch Begräbnisse im eigenen Garten möglich, wobei das Grab mindestens 50 cm tief sein muss. Das Grundstück darf sich weder in einem Wasserschutzgebiet noch in der Nähe öffentlicher Wege befinden. Es muss zudem ausgeschlossen sein, dass das Tier an einer meldepflichtigen Krankheit verstorben ist. Zur Sicherheit sollte man immer die genaue aktuelle Rechtslage beachten. Eine weitere Möglichkeit ist, seinen Wegbegleiter auf einem Tierfriedhof beerdigen zu lassen.

 

Vor kurzem erhielt ich einen Anruf des Elysium Haustierkrematoriums in Hohenwestedt. Hier kann man wählen wie das Tier eingeäschert wird und was danach mit der Asche geschehen soll. Auch gibt es eine grosse Auswahl an Urnen und Schmuck.

Nicht jeder Besitzer ist körperlich oder emotional in der Lage sein Tier persönlich im Krematorium abzugeben. In diesen Fällen besteht auch die Möglichkeit sein Tier abholen zu lassen. Alles wird in einem sehr würdevollen Rahmen abgewickelt.

Was kann ich abschliessend tun um den Schmerz zu verarbeiten?

 

Hier gibt es viele Wege und jeder darf für sich den passenden finden. Man kann beispielsweise einen besonderen Platz mit einem Bild des Tieres einrichten und ihm gedenken. Auch ist es möglich Gedanken niederzuschreiben. Wichtig ist dass man sich die Zeit nimmt die es braucht. 

 

Welchen Weg man auch wählen mag, eines Tages wird es soweit sein dass man mit einem Lächeln und in Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit zurückdenken kann. 🕯️❤️💫